Das Beispiel Südkorea: Warum Unternehmen sich jetzt mit Benimmregeln beschäftigen müssen.

„Südkorea will sich durch die neuen Regeln exkulpieren, um mehr Investoren anzulocken.“

In Südkorea waren Begünstigung und Korruption jahrzehntelang allgemein akzeptierter Teil des Wirtschaftslebens – mit entsprechend negativen Folgen für die internationale Reputation des Landes. Jetzt hat die Regierung rigide Gesetze erlassen, die dem schmerzfreien Geben und Nehmen ein Ende bereiten sollen. Unternehmen in Deutschland sollten die Geschichte zum Anlass nehmen, sich systematisch mit den Regeln für Geschenke und Einladungen in unterschiedlichen Ländern vertraut zu machen.

Keyfacts über Corporate Governance

  • Südkorea hat einen sehr großen Staatssektor
  • Bestochen werden vor allem Beamte
  • Die Regierung will diese Praxis beenden

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as eigentlich harmlose Wort „Jeopdae“ (Vergnügen, Ablenkung) steht in Südkorea für eine landestypische Art der Korruption: Unternehmen laden Vertreter potentieller Kunden zu Golf-Wochenenden, teuren Abendessen oder langen Nächten in Ausgehvierteln ein – inklusive Karaoke Bars und Hostess Clubs.

Die meisten der Begünstigten arbeiten in Unternehmen, die direkt oder indirekt von der Regierung kontrolliert werden. Der Staatssektor ist in Südkorea traditionell groß und mächtig. Niemand, der erfolgreich Geschäfte machen will, kommt an ihm vorbei. Gute Beziehungen zur Bürokratie gelten folglich als überlebenswichtig, da kann eine gewisse Generosität gegenüber ihren Vertretern nicht schaden.

Das Vertrauen in die eigenen staatlichen Institutionen war zwar auch wegen „Jeopdae“ schon immer schlecht in Südkorea. Dennoch änderte sich an der Praxis lange nichts, zu tief war das große Geben und Nehmen im Land verwurzelt.

Dann, 2014, ereignete sich ein großes Fährunglück, das mutmaßlich auch auf mangelnde Kontrollen zurückzuführen war. Zudem geriet das Land international wegen seines laschen Umgangs mit Korruption immer mehr unter Druck. Unter den 34 reichen Industrienationen auf dem Korruptionsindex von Transparency International belegt Südkorea einen traurigen 27 Platz. Ausländische Investoren, die Standortentscheidungen treffen müssen, interessieren sich nicht nur für derartige Rankings, sondern ganz generell für Fragen von Fairness und Transparenz bei der Vergabe von Aufträgen.

Bestechung war in Südkorea bisher weit verbreitete Praxis

Solcher Transparenz will die Regierung jetzt ein Stück näher kommen. Im September verabschiedete sie eine ganze Reihe von Gesetzen, die den Beteiligten den Spaß an der gegenseitigen Begünstigung vermiesen sollen.

Jedes Hilfe- und Unterstützungsersuchen an Staatsbeamte jenseits der offiziellen Kanäle gilt ab sofort grundsätzlich als krimineller Akt. Zuwendungen bei Geschäftsterminen und Veranstaltungen sind auf umgerechnet 24 (Essen) beziehungsweise 40 Euro (Geschenke) limitiert. Für Verstöße können beide Seiten belangt werden. Und anders als bisher muss dabei kein direkter Zusammenhang zwischen der Wohltat und ihrem mutmaßlichen Zweck nachgewiesen werden.

 

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beträgt die südkoreanische Position auf der Rangliste des Korruptionsindexes von Transparency International – bei insgesamt 34 entwickelten Industrienationen.

 

Die Reaktionen darauf sind zum Teil ebenso drastisch wie die Maßnahmen selbst: Es gibt schwarze Listen mit teuren Etablissements und Restaurants, die jetzt gemieden werden, andere bieten „Anti-Korruptions-Menüs“ an, die die neuen Grenzen exakt ausschöpfen. Oder nach dem Geschäftsessen bezahlt wie in den USA jeder seine Rechnung selbst – bisher in Südkorea ein absolutes No-Go. Sogenannte Ranparazzi fotografieren oder filmen heimlich geschäftliche Zusammenkünfte, um eventuelle Verstöße gegen die neuen Regeln aufzudecken. Anwälte raten Unternehmen deshalb zu extremer Vorsicht.

Corporate Governance: Die Regeln kennen und beherrschen

Was das alles für deutsche Unternehmen und ihre Entscheider bedeutet? Dass es besser ist, solche Regeln zu kennen, bevor man mit Partnern in fremden Ländern Geschäfte anbahnt. Unternehmen in Deutschland neigen manchmal dazu, die deutsche oder europäische Gesetzgebung als eine Art „Gold Standard“ anzusehen, deren Einhaltung auch weltweit ausreicht. Das Beispiel Südkorea zeigt, dass dem nicht so ist. Südkorea will sich durch die neuen Regeln exkulpieren, um mehr Investoren anzulocken.Und ein Verstoß gegen ein Spezialgesetz in Südkorea bleibt ein Verstoß gegen das konzernweite Compliance Management System. Hilfreich ist ein globales Risk Assessment, das sicherstellt, dass relevante lokale Gesetze beachtet und bei der Implementierung von Compliance Kontrollen berücksichtigt werden.

Unverzichtbar ist dabei das weltweite Durchleuchten der Business-Partner, also eine Beschäftigung der Unternehmen vor der Aufnahme von Liefer- oder Leistungsbeziehungen mit Geschäftspartnern. Hier stellt sich zum Beispiel die Frage, ob es sich – siehe oben – um einen staatlichen Player handelt oder nicht. Viele Unternehmen wissen das auch von ihren Bestandskunden nicht unbedingt zu sagen, weil die staatliche Beteiligung nicht immer sofort erkennbar ist. Sie haben einen Termin mit einem Kunden in einem Restaurant in Süd Korea? Dann sollten sie das wissen.

Und die Verhältnisse in Deutschland? Solch strikte gesetzliche Regelungen mit Wertgrenzen wie jetzt in Südkorea sind hierzulande nicht überall zu finden, und ich finde, sie sind auch nicht erforderlich. Denn spätestens seit den Compliance-Verstößen der jüngsten Vergangenheit sind die Ängste und die auch daraus entstandenen Compliance-Regeln von Unternehmen ziemlich rigide.

Natürlich verhindern sie nicht immer und für alle Zeit jede Art von Korruption. Aber sie sorgen für eine recht wirkungsvolle Selbstkontrolle. Bis vor einigen Jahren zum Beispiel hatten viele große Unternehmen Business-Logen in Bundesliga-Stadien gemietet, um hier Geschäftspartner in exklusiver Atmosphäre zu treffen. Fast alle diese Logen sind mittlerweile gekündigt; die Angst, dass dort Servierte könnte (leicht) nach Korruption schmecken, ist einfach zu groß.

Warum Corporate Governance mehr ist als das pure Einhalten von Regeln lesen Sie hier.

 

Ersterscheinung auf KPMG Klardenker | Corporate Governance: Wenn das Menü nach Korruption schmeckt – Das Beispiel Südkorea: Warum Unternehmen sich jetzt mit Benimmregeln beschäftigen müssen.