Ein schlauer Mensch hat einst gesagt „Es ist gut, dass wir Menschenrechte haben. Besser wäre es, wenn wir sie erst gar nicht bräuchten.“ So frage ich mich schon lange, warum es immer erst eines Anstoßes aus der Regulatorik oder anderer Entwicklungen bedarf, damit wir uns intensiver mit dem Thema beschäftigen. Die Achtung der weltweiten Menschenrechte sollte in der DNA eines jeden Unternehmen und eines jeden Mitarbeiters verankert sein. Und doch brauchen wir in den Unternehmen offenkundig Prozesse und Kontrollen, damit wir immer wieder an dieses Grundrecht anderer erinnert werden. Das kann man traurig finden, aber das würde nicht helfen. Besser wir arbeiten daran, dass durch intelligente Management-Systeme in jedem Geschäftsprozess dieses Bestreben verankert wird. Zuletzt hat das CSR-Richtlinien-Umsetzungsgesetz vom März diesen Jahres gefordert, dass bestimmte große kapitalmarktorientierte Unternehmen Angaben zur Achtung der Menschenrechte machen müssen. Der zuvor im Dezember 2016 verabschiedete Nationale Aktionsplan für Menschenrechte hatte darüber hinaus für akute Aufmerksamkeit gesorgt und allen Unternehmen und ihren Organen muss spätestens jetzt klar sein, dass man dieses Thema nicht aussitzen darf. Warum?

“Die Berücksichtigung von #Menschenrechten macht keinen Halt an der Unternehmensgrenze“

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“It’s simply the right thing to do!“

In jedem von uns müsste intrinsisch der Wunsch schlummern, bei allem Wirtschaften und bei allem Streben nach Erfolg und Profitabilität, die Würde und Rechte der Menschen entlang der Wertschöpfungskette zu achten und zu berücksichtigen. Darüber hinaus steigt auch bei Kunden zunehmend die Erwartung nach der Einhaltung von Menschenrechten und bietet nicht selten die Grundlage für eine Kaufentscheidung. Die Reputation von Unternehmen wird dabei ganz wesentlich auch von der immer sensibleren Berichterstattung der Medien oder NGOs gefährdet. Diese sorgen im Zweifel dafür, dass Verstöße schnell an die Öffentlichkeit gelangen. Negative Aufmerksamkeit kann wichtige Beziehungen zu externen sowie internen Stakeholdern nachhaltig beeinflussen. Ebenso achten Investoren zunehmend auf die Einhaltung von Menschrechten in Unternehmen und deren Zulieferern. Eine Einhaltung ist also von großer Bedeutung für Langzeitinvestoren, denn diese werden als die aktivsten shareholder in diesem Thema gesehen. Ganz wichtig: Die Berücksichtigung von Menschenrechten macht keinen Halt an der Unternehmensgrenze, sondern erstreckt sich vielmehr auch über die gesamte Wertschöpfung und die Lieferketten des Unternehmens.

Die Berücksichtigung der Menschenrechte in der Corporate Governance

Die klassischen Steuerungssysteme der deutschen Corporate Governance bieten diverse Ansatzpunkte. Menschenrechtsverletzungen beispielsweise in bestimmten Ländern können so im Risikomanagement Länderrisiken darstellen, die es bei strategischen Investitions- oder Expansionsentscheidungen durch entsprechende Maßnahmen im internen Kontrollsystem zu steuern und berücksichtigen gilt. Allerdings sind die Risikomanagementsysteme (ERM) vieler Unternehmen noch nicht vollständig auf die Berücksichtigung von Menschenrechtsverletzungen eingestellt. Betreffende Risikoanalysen finden häufig in organisatorisch getrennten sogenannten CSR-Managementsystemen statt, deren Einbindung in das Risikomanagement zumeist nur rudimentär ist. Dies gilt ebenso für weitere Aspekte der Corporate Social Responsibility. Im Rahmen des Compliance Managements wiederum muss durch eine Risikoanalyse und die Ableitung entsprechender Programme sichergestellt werden, dass es gerade in globalen Unternehmen sowie der Lieferkette nicht zu Rechtsverstößen wie z.B. Kinderarbeit kommt. Dieses Bild zeigt eindringlich auf, wie bedeutend diese Risiken einerseits für Unternehmen sind und wie wenig integriert die Corporate Governance in vielen Fällen zur Steuerung dieses Komplexes aufgestellt sind.

Meine Empfehlungen

  • Das Thema Menschenrechte gehört auf den Schirm eines jeden Risikomanagements. Sorgen Sie dafür, dass entsprechende Risiken vollständig identifiziert und gesteuert werden.
  • Dazu bedarf es eines CSR-Managements, das idealerweise in die bestehenden Risikomanagementprozesse integriert wird.
  • Setzen Sie eine unternehmensweite „Human Rights Policy“ auf und verankern Sie diese im Code of Conduct.
  • Machen Sie über die Förderung der Unternehmenskultur klar, dass Sie keinen geschäftlichen Erfolg wollen, der auf dem Rücken der Menschenrechte ausgetragen wird.
  • Die Verantwortlichkeit für das Thema sollte beim Aufsichtsrat und der Geschäftsführung liegen (Senior Executive Involvement).
  • Erweitern Sie ggf. bestehende Due Diligence Prozesse zur Identifizierung und Verhinderung von Menschenrechtsverstößen bei Geschäftspartner oder potentiellen Investments.
  • Gehen Sie in den Dialog mit Stakeholdern um ein Verständnis dafür zu erhalten, welche Erwartungshaltungen an Sie gestellt werden.

Und dann?

Unsere Gesellschaft beschäftigt sich zunehmend damit, unter welchen Bedingungen die Waren hergestellt werden, die unseren Alltag bestimmen. Anders sind die beachtlichen Erfolge von „Bio“, „Fair Trade“, „Fair Cotton“ und anderen Gütesiegeln nicht zu erklären. Anfangs noch belächelt prägen diese das Nachfrageverhalten der Menschen mehr und mehr. Ich bin sicher, dass sich aus dieser anfänglichen Randerscheinung zunehmend ein Megatrend entwickelt, dem sich die Unternehmen nicht mehr entziehen können. Jetzt aber gilt es unbedingt, das Thema Menschenrechte nicht als eine weitere Insel im Unternehmen zu implementieren, nur um regulatorischen Anforderungen zu begegnen sondern stattdessen neu und vor allem wertschöpfend zu denken. Eine angemessene Berücksichtigung der Menschenrechte ist nicht nur ein Risiko, dass es mit entsprechenden Kontrollen und Prozessen zu bändigen gilt, sondern gleichsam eine Chance, sich am Markt gegenüber Mitbewerbern zu differenzieren. Menschenrechte achten – und darüber reden! Die CSR Berichterstattung schafft Raum dafür.

Kommentare zu "Weil es das Richtige ist – Menschenrechte in der Corporate Governance"