Seit einigen Jahren ist an den globalen Kapitalmärkten ein auffälliger Rückgang der börsennotierten Unternehmen zu verzeichnen. Allein in den USA hat sich die Zahl in den letzten 20 Jahren etwa halbiert. Die Anzahl der jährlichen Börsengänge ging auf ein Drittel zurück. Parallel dazu haben sich in die Liste der weltweit wertvollsten Unternehmen eine Vielzahl von Private Companies eingeschlichen und etabliert wie z.B. UBER oder AirbnB mit geschätzten Marktwerten von 70 bzw. 30 Milliarden US-Dollar.

 

Als Grund dafür sehe ich zwei wesentliche Tendenzen: In Zeiten extrem niedriger Zinsen und einem Finanzsektor, der durch billiges Geld geflutet wurde, können sich Unternehmen ebenso gut – und günstiger – durch Bankdarlehen und Anleihen finanzieren. Viele dieser Unternehmen binden auch durch ihr technologisches oder dienstleistungsorientiertes Geschäftsmodell wesentlich weniger Kapital z.B. in Maschinen und Anlagen: UBER hat keine Autos, Airbnb keine Hotels oder Betten. Airbnb konnte sich sehr einfach mit Milliarden von fast 30 externen privaten Investoren finanzieren. Es bedarf häufig damit keines Börsengangs, um die notwendigen finanziellen Mittel aufzunehmen.

“#NoGoGovernance – Was wir von #Uber nicht lernen können. Jetzt in meinem Blog“

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Zu viel „Red Tape“ oder die Angst vor der Regulatorik

Zusätzlich hält viele Unternehmen die Furcht vor anfallenden regulatorischen Pflichten im Zuge eines Börsengangs davon ab diesen zu vollziehen – eine Tendenz, die ich für extrem bedenklich halte. Auf der ganzen Welt sind im Nachgang diverser Unternehmensskandale wie ENRON die Anforderungen insbesondere an börsennotierte oder kapitalmarktorientierte Unternehmen in Bezug auf die Rechnungslegung, die Berichterstattung oder auch die Pflichten der Unternehmensführung signifikant gestiegen. Viele Aktionäre haben auch klare Erwartungshaltungen an die Unternehmen, die ggf. von den Interessen der bisherigen Unternehmensleitung abweicht, warum also an die Börse gehen?

Die Gefahr hierbei ist jedoch, dass Unternehmen damit einer stark reduzierten Corporate Governance unterliegen und eine Überwachung durch die Märkte, Analysten, Aktionäre und letztlich angemessene Unternehmensorgane umgehen. Das alles könnte man akzeptieren, wenn nicht die jüngsten Berichterstattungen über Skandale gerade bei UBER sehr eindringlich aufzeigen würden, welche Risiken sich daraus ergeben.

“Unternehmen setzen sich zunehmend größeren #Risiken aus, indem sie auf angemessene #CorporateGovernance Strukturen verzichten. #NoGoGovernance.“

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Mit keiner Governance ist auch keinem geholfen

Von Mehrfachstimmrechten, mangelnder Unternehmenskultur bis hin zur unabgestimmten Besetzung von Schlüsselpositionen in den Boards: Die Erfahrung zeigt, dass ein fehlender Steuerungsrahmen zu weniger Transparenz und damit zu Fehlentwicklungen führen kann. UBER selbst versucht zurzeit – getrieben durch diese Vorfälle und die darauf reagierende, negative Presseberichterstattung – sich eine neue interne Organisation und Governance zu geben. Diese orientiert sich in Teilen an derjenigen börsennotierter Unternehmen, erreicht diese aber naturgemäß nicht.

Es gibt also ausreichend Gründe sich über den zu beobachtenden Rückzug einer Organisations- und Finanzierungsform Gedanken zu machen, die über Jahrhunderte hinweg der Welt viel Wohlstand gebracht hat.

Das wahrgenommene Defizit in der Qualität der Corporate Governance vieler Unternehmen abseits der Kapitalmärkte ist signifikant. Nach einer Umfrage von Forbes und KPMG aus dem Jahr 2015 sehen diese Unternehmen ihre eigenen Schwächen bzw. Herausforderungen vor allem in der unzureichenden Überwachung von Risiken sowie der Beurteilung von Innovationen und entstehender Konkurrenz. Häufig hängt dies insbesondere mit einer mangelhaft ausgestalteten Unternehmensstrategie und Schwierigkeiten bei der Einhaltung gesetzlicher Compliance-Vorgaben zusammen.

Dies ist daher ein Plädoyer für eine angemessene und positiv besetzte Corporate Governance!

Die aktuelle Berichterstattung zeigt deutlich auf, dass gute Governance keine Frage der Gesellschafts- und Rechtsform sein darf. Governance macht nicht vor der Eigentümerstruktur halt, sondern hat Auswirkungen auf fast alle Stakeholder der Unternehmen. Und es zeigt sich an diesen Beispielen wunderbar, welchen Wertbeitrag eine angemessene Governance den Unternehmen stiftet und dass es uns allen gut tut, das Thema Unternehmensführung als ein wertvolles Gut zu betrachten. Alle die, die angesichts der fortlaufenden Regulierung und Diskussion um überbordende Überwachungsstrukturen nach weniger Kontrolle rufen, sollten sich die Gegenbeispiele ganz genau anschauen.