Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass die Möglichkeiten der Digitalisierung auch tradierte Unternehmensbilder signifikant verändert. Kaum merklich ist sie an uns herangetreten und verändert nun sämtliche Lebensbereiche sowohl im privaten als auch im geschäftlichen Umfeld. Im Hinblick auf Unternehmen lassen sich die Effekte der Digitalisierung insbesondere in drei Teilbereiche untergliedern: Geschäftsmodelle, Interne Abläufe und Prozesse sowie Überwachung und Steuerung.

Wie die Digitalisierung unsere Geschäftsmodelle verändert

Geschäftsmodelle haben sich durch die Möglichkeiten der Digitalisierung längst gewandelt. Noch vor wenigen Jahren waren Kategorisierungen wie „Händler“, „Anlagebauer“, „Entwickler“ oder „Bank“ gängig. Diese Trennung ist aber nicht zuletzt mit dem Aufstieg von Amazon oder Apple hinfällig. Immer mehr Unternehmen bieten sektorübergreifende Güter- und Dienstleistungen an und entwickeln im Zweifel sogar Ihre eigenen digitalen Zahlungssysteme. Neben dieser horizontalen Integration von Geschäftsmodellen ist aber auch eine vertikale Integration zu erkennen: Wurden Stufen der Wertschöpfung in der Vergangenheit zur Fokussierung auf das Kerngeschäft und zur Optimierung der Kostenstrukturen an Dritte ausgelagert oder ihnen überlassen, so werden auch diese wieder stärker in das Geschäftsmodell integriert. Dies sieht man Beispielsweise am Vertrieb: Man findet kaum noch Hersteller, die keinen eigenen globalen Webshop anbieten, da der Betrieb dieser Portale durch digitale Medien deutlich vereinfacht wurde.

Wer hier an einem tradierten Geschäftsmodell festhält setzt sich der Gefahr aus, redundant zu werden und seinen Wettbewerbern, die die entsprechenden integrierten Strukturen aufweisen, einen Vorteil zu geben. Die Digitalisierung transformiert Geschäftsmodelle und ermöglicht herausragende Potentiale für Wachstum und Profitabilität, sie verlangt jedoch auch das Management der damit einhergehenden neuen Risiken.

Risikomanagementsysteme in Unternehmen müssen daher sobald wie möglich zu Chancen- und Risikomanagementsystemen weiterentwickelt werden, die aufgrund ihrer hohen Dynamik Bedrohungen und Geschäftschancen aus Entwicklungen ableiten und steuern können.

“Die digitale Zukunft der Unternehmen: Festhalten an einem tradierten Geschäftsmodell bedeutet auch die Gefahr, redundant zu werden und seinen Wettbewerbern, die die entsprechenden integrierten Strukturen aufweisen, einen Vorteil zu geben.“

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Interne Abläufe und Prozesse – Digital und effizient?

Durch den wachsenden Grad der Automatisierung findet ein zunehmender Teil der unternehmensinternen Prozesse nicht mehr manuell beobachtbar, sondern digital versteckt in den IT-Systemen statt. Dies geht meiner unmittelbaren Intransparenz der Prozesse zu Gunsten einer deutlich höheren Geschwindigkeit der Abläufe sowie dem Ausschluss menschlicher Fehler bei der Prozessdurchführung einher.

Meiner Erfahrung nach lassen sich in den Unternehmen drei Stufen der Digitalisierung bzw. Automatisierung beobachten. Die einfachste und bereits seit längerem beobachtbare Form ist die Systemintegration, die aus den verschiedensten Unternehmensteilen und entsprechenden IT Systemen Daten verknüpft und durch Makros und Skripte entsprechend prozessiert werden. In der zweiten Stufe werden zum Abbau manueller Tätigkeiten unstrukturierte Daten wie Dokumente, Emails, Bilder oder auch Stimmaufzeichnungen durch Medien für den weiteren Prozessablauf verfügbar und auswertbar gemacht. Die letzte Entwicklungsstufe stellt dann die kognitive Automatisierung dar, in der lernende Systeme eigenständig Entscheidungen im Prozessablauf tätigen.

Da sich die Automatisierung der Geschäftsprozesse konsequent durch alle Teilsysteme zieht, sind die klassischen Governance Funktionen der Unternehmen von diesen Veränderungen besonders betroffen und gefordert.

Schluss mit der Vergangenheit – Echtzeitprüfung von Kontrollen und Vorfällen

Für die Prüfung von Prozessen war es in der Vergangenheit noch üblich manuell Stichproben zu ziehen, um aus diesem Ergebnis eine Ableitung auf die Wirksamkeit der Prozesse und Kontrollen vorzunehmen. Doch auch wenn eine solche Ableitung nach mathematisch-statistischen Verfahren grundsätzlich zugelassen ist, stellt sich die Frage, ob sie im Zeitalter der Digitalisierung von Informationen noch zeitgemäß ist und nicht viel Mehrwert aus einer solchen Massenauswertung verloren geht. Dies gilt sowohl für die interne Revision als auch für den Wirtschaftsprüfer und seine,

Unternehmensleitungen sollten sich nicht mehr bloß mit Informationen über Kontrollschwächen und falsche Transaktionen in der Vergangenheit zufrieden geben, sondern vor allem Echtzeitinformationen fordern um auf zukünftig drohende Probleme rechtzeitig reagieren zu können. Wo solche Systeme vor einigen Jahren noch aus Mangel an verfügbaren Daten scheiterten, schafft die zunehmende Digitalisierung der Prozesse diesen Hinderungsgrund aus dem weg. Hierzu ermöglichen bildgebende Verfahren wie das „Process Mining“ durch eine Analyse der IT-Systeme bestehende Abweichungen zwischen gelebten und gewollten Prozessen zu identifizieren.

Diese Entwicklung hat daher auch unmittelbaren Einfluss auf Vorstände und Aufsichtsräte. Noch immer findet die Kommunikation zu den Steuerungselementen der Unternehmen durch Regelberichte zu Aufbau und Wirksamkeit der Corporate Governance Teilsysteme statt. Diese Form der Berichterstattung wird im digitalen Zeitalter, unter Berücksichtigung bestehender Echtzeitauswertungen, in Zukunft nicht mehr haltbar sein.

“Die Digitalisierung kommt nicht, sie ist bereits da und wird die Art und Weise, wie Unternehmensleitungen ihre Aufgaben wahrnehmen von Grund auf verändern“

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Was ermöglicht uns die Digitalisierung also?

Die Digitalisierung kommt nicht, sie ist bereits da und wird die Art und Weise, wie Unternehmensleitungen ihre Aufgaben wahrnehmen von Grund auf verändern. Sie bietet unbegrenzte Möglichkeiten die Prozesse im Unternehmen zu beschleunigen und effektiver zu machen und damit effizienter auf drohende Risiken für das eigene Geschäftsmodell zu reagieren. Die Überwachung von Unternehmen wird sich wandeln. Weg von der turnusmäßigen rückwirkenden Betrachtung hin zu Echtzeit-Prüfungen von Kontrollen und Geschäftsvorfällen.